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Allgemein, Neues aus der RSW

Massenmord in Hadamar

Am 15. Mai 2023 besuchten die beiden zehnten Klassen der Realschule Wilnsdorf die Gedenkstätte Hadamar in Mittelhessen.

Hadamar war ab 1906 eine Anstalt für psychisch kranke Menschen, wurde dann aber in der Zeit des Nationalsozialismus eine Tötungsanstalt. Denn die Nationalsozialisten waren der Meinung, Menschen, die in Pflege- und Heilstätten betreut wurden, seien es nicht wert, zu leben und sollten daher umgebracht werden. Genannt wurde das ganze „Euthanasie“, ein griechisches Wort, das übersetzt so viel wie „guter/schöner Tod“ bedeutet. Das kommt daher, da man damals gesagt hat, wenn man psychisch kranke oder behinderte Menschen tötet, würde man sie von ihrem Leid befreien. Und das wäre ja immerhin etwas Gutes. Dahinter verbarg sich jedoch eine ganz andere Strategie. Die Patienten in den Anstalten hatten angeblich kein reines Erbgut mehr, was zur damaligen Zeit nicht geduldet wurde. Die Kinder könnten ja genauso krank werden, wie ihre Eltern. Wenn die Patienten mit unreinem Erbgut nicht umgebracht wurden, vielleicht, weil sie noch fähig waren, zu arbeiten, so wurden sie unfruchtbar gemacht.

Außerdem gab es den angeborenen Schwachsinn; wenn Menschen eine unbekannte psychische Krankheit hatten. Dazu kamen unheilbar Blödsinnige. Diese Menschen hatten angeblich weder den Willen zum Leben, noch zum Sterben, daher konnte man sie einfach umbringen, entschied man. Denn, was sollte man schon mit ihnen anfangen? Sie waren krank, vom Verhalten laut den Nationalsozialisten nicht mehr normal und sie konnten nicht arbeiten. Kosteten also nur Geld und sie mussten ständig betreut werden. Da das alles nur verschwendete Zeit und verschwendetes Geld war, brachte man die Menschen um.

Ab 1940 wurden alle Menschen, die in Hadamar eingeliefert wurden, direkt am Tag ihrer Ankunft umgebracht. Sie wurden erst von Ärzten untersucht, die nach wertvollen Dingen, wie zum Beispiel vergoldeten Zähnen, an den Opfern gesucht haben und diese dann markierten. Die Menschen wurden zum angeblichen Duschen in Waschräume geschickt, alles wurde verriegelt und verschlossen und dann durch die Duschleitungen, durch die eigentlich Wasser fließen sollte, Gas in die Waschräume geleitet, an dem die Menschen erstickten. Die Markierten wurden herausgepickt, dass Wertvolle wurde ihnen entnommen und letzten Endes wurden alle Leichen verbrannt. Dieses Verfahren spielte sich täglich über einen Zeitraum von acht Monaten ab. Nur hier und da wurden Pausen eingelegt, vor allem, da der tägliche Qualm, der rund um die Uhr aus den Schornsteinen der Tötungsanstalt das Aufsehen der umliegenden Bewohner erlangte.

Wer einmal in Hadamar eingeliefert wurde, verließ die Anstalt auch nicht mehr, jedenfalls nicht lebendig. Der eine lebte möglicherweise länger als der Andere, aber am Ende starb jeder einzelne von ihnen. Die Angehörigen allerdings bekamen erst Tage oder Wochen später Briefe, in denen ihnen mitgeteilt wurde, dass der Angehörige aus diesem und jenem Grund verstorben sei, dass man den Tod jedoch als Erlösung und etwas Positives auffassen sollte, da der Tote ja unheilbar krank und nicht mehr zu gebrauchen gewesen sein soll. Man versuchte, so gut wie möglich darauf zu achten, dass bei den Todesgründen Sachen angegeben wurden, die wirklich stimmen konnten und dort nicht plötzlich stand, dass jemand eine tödliche Erkrankung in einem Organ hatte, das beim Betroffenen eigentlich gar nicht mehr im Körper vorhanden war. Doch auch dort unterliefen Fehler, was natürlich nicht unentdeckt blieb.

Dieses Projekt nannte sich ,,Aktion T4″, was für ,,Aktion Tiergartenstraße 4″ steht, da sich dort die zentrale Koordinierungsstelle befand.

Von 1942 bis 1945 starben etwa 4500 Menschen in Hadamar. Viele wurden in Massengräbern „beerdigt“. Für die Angehörigen, die es schafften, rechtzeitig zum ausgewählten Termin, für die Beerdigung zu erscheinen, gab es eine richtige Beerdigung, mit Priester. Hadamar pünktlich zu erreichen, war allerdings oft nicht möglich, da die Patienten aus ganz Deutschland über Zwischenstätte nach Hadamar gebracht worden sind. Sobald die Angehörigen wieder abgereist waren, wurde der Leichnam aus dem Sarg entfernt und das Grab weiterhin als Massengrab benutzt.

Insgesamt arbeiteten ungefähr 400 Menschen in Hadamar, man bedenke, sogar freiwillig. Niemand wurde gezwungen. Verurteilt wurden jedoch nur 25, wenige von ihnen zum Tode, einige bekamen eine längere Haftstrafe. Die meisten Arbeiter wurden freigesprochen. Eine ziemlich milde Strafe, angesichts der Tatsache, dass Menschen, die eigentlich Leben retten und sich um die Patienten kümmern sollten, am Tod Tausender mitschuldig waren.

Für mehr Informationen oder weitere Bilder, besucht doch gerne diese Website:
https://www.gedenkstaette-hadamar.de/

LeL

7. September 2023/von Lena Lang
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